Ein Tag im Leben eines Kurs-Schülers
Wenn des Morgens roter Schimmer
in deiner Seele weckt den Glimmer,
wenn der Tag ganz still erwacht,
dann sei sicher, dass er lacht.
Er ist zu deiner Ehr’ geboren,
weil du es bist, der auserkoren,
nur die Liebe auszudehnen
und den Hass nicht zu erwähnen.
Und wenn du noch nicht bist ganz frisch,
dann greif zum Buch auf deinem Tisch.
„Ein Kurs in Wundern“ liegt dort blau,
er zeigt dir, wie sie geht, die Schau.
Lass dein Frühstück vor dir steh’n,
den Duft von Kaffee dir zuweh’n,
schließ ganz kurz nur deine Augen –
dies hier soll der Liebe taugen.
Dann mach deinen Podcast an,
der Sound des Wunders kommt dir so an,
wenn Gottfried Sumser sonor säuselt,
die Wonne dir den Nacken kräuselt.
Diese erste halbe Stunde
heilt jede alte gärend Wunde.
Kraftvoll bricht dein Tagwerk an –
heut’ gib dein Bestes, du bist dran.
Wenn später im Berufsverkehr
dein Ego schreit: Setz dich zur Wehr!
Es gibt kein Arschloch dorten draußen –
Idioten nur in dir selbst hausen.
Nimm sie an als deine Brüder,
summ dabei Nemas Worship-Lieder.
Zeig dein Lächeln, sei gewiss:
Es ist der Frieden, der dich küsst.
Dann triffst du deine Kollegen –
nicht alle kennen Gottes Segen.
Wenn einer sich gebiert als Luder,
dann grüß ihn: „Hallo, Schatten-Bruder!“
Tritt zurück um einen Schritt
und nimm ihn nach Hause mit
in deines Wesens tiefsten Kern.
Dort seid ihr beide froh und gern.
In der Mittagspause bist du ganz da,
wenn du flüsterst dieses Mantra:
Gott ist ewig,
ich bin sein König.
Ich bin sein Schild,
schütz, was frei ist und wild.
Ich bin sein Herz,
lass los allen Schmerz.
Ich bin sein Frieden,
will ihn allen bieten.
Ich bin seine Stimme,
ruf Liebe und gewinne.
Ich bin sein Reich,
wo’s schön ist und leicht.
Ich bin seine Wahrheit
und spreche nur Klarheit.
Wenn die Arbeit ist getan,
machst du den Podcast wieder an.
Vergib dir alle blöden Sachen,
die alle halt im All so machen.
So kommst du erfrischt nach Hause
in des Lebens Wahnsinns-Klause.
Die Kinder toben, streiten sich –
vollgemüllt ist jeder Tisch.
Der Kühlschrank leer, nix eingekauft,
die Frau sich ihre Haare rauft.
Sie ruft: „Du wollt’st für’s Essen sorgen!“
„Sorry, ich bin doch erst dran morgen!“
Stopp! Bevor du wirst verrückt,
tritt einen halben Schritt zurück.
Sag diesen Satz, den du nie bereut:
Ich wähle erneut.
Schau noch einmal in die Runde,
höre Gottes güt’ge Kunde:
Du machst, was du siehst, und siehst, was du gemacht.
Hast du daran schon gedacht?
Ein Lächeln hebt jetzt meinen Blick,
strahlst lichtvoll, herzlich, ganz verzückt.
Ruf: „Schatz, ich bin doch groß und stark,
fahr’ gleich los zum Supermarkt!“
Richte das Mahl
ganz ohne Qual.
Ein Freudenschmaus
erquickt das Haus.
Am Sosein labend,
freu ich mich auf den Feierabend.
Ich geb, was ich kann,
und bin dann dran.
Das verzückte Weib ruft: „Mein Gatte
will mit dir gleich auf die Matte,
in den großen Kissen rollen,
stöhnen, schmatzen, liebestollen.“
„Moment“, sag ich, „ich muss noch beten,
geh schon mal vor, dich selber kneten.
Muss im Kursbuch noch mal lesen –
wie war das mit der Liebe gewesen?“
Ich bin kein Körper, ich bin frei –
was soll die ganze Schmatzerei?
Jesus ruft: „Ego-Verhexung,
reine Ebenen-Verwechslung!“
„Dein Körper dient mir, geh hinaus,
dehn mich aus dir in sie aus.
Das ist heil´ger Dienst an Gott.
Auf die Matte – aber flott!“
Am nächsten Morgen ganz beseelt
ein Anblick meinen Geist erhellt:
Das Kursbuch leuchtet dorten blau
auf dem Nachttisch meiner Frau.
Greif’s mir – sie schläft noch tief –,
weil Gott mich zum Podcast rief.
Diesmal hör ich den von Silke,
die versteht mich, spricht wie Rilke.
Gleich danach ist Gottfried dran,
so hält der Kurs mich im Bann.
Chill in der Liebe, hab meinen Spaß –
Gott ist ewig, auf ihn ist Verlass.
Carsten Schubert
2025
© Carsten Schubert 2025