Die Rüge


Die Rüge verrückt das göttliche Gefüge,
wenn das Kind tut nicht Genüge
der patriarchalen Gesellschaftsnorm
wird´s gepresst mit Gewalt in Form.


Der Rügner rückt, als einst Gerügter,
maskierten Lügen nur genügt er
das Kind heraus aus seiner Mitte,
mit Schlägen, Tadeln und durch Tritte.


Das Kind schluckt seine Wut herunter,
sein Wort geht weinend wimmernd unter.
In seinem Zimmer ist kein Scheltern,
es ist die Zone des Zorns der Eltern.


Mit Donnerwort und Ohrenfeigen
sich Elternhäupter speiend neigen.
Wenn pfeifend Gürteln fehlt Pardon,
dann ist Ruhe im Karton.


Erziehung geglückt, ruft Mutter verzückt.
Im Sosein verrückt geht das Kind gebückt.
Den Willen gebrochen schleppt es sich raus
in die Schule, das Staats-Irren-Haus.


Wo Irrende lehrend durch Pläne hetzen,
neue Generationen mit Angst besetzen
Wo Scham sich frisst in junge Herzen
Leistung und Druck die Natur ihm merzen.


Die Jahre der Rügen das Kind fügen,
hinter Masken will´s Anspruch genügen.
Dem Kosmos verloren, in der Seele arm
jetzt plappterts Parolen, der Lüge Gendarm.


Was ist geglückt am Ende der Kindheit?
Ist nicht Qual die erwachsene Blindheit?
Die Ferne von der eigenen Mitte,
so wie seit Jahrhunderten Sitte?


Ja, liebster Bruder, brich dein Schweigen
tanzt und sing den eignen Reigen.
So tust du dem Leben liebend Genüge,
denn jede Rüge ist eine Lüge.


Carsten Schubert
2017

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