Der Flüchtling


Seine Augen müde, der Blick ward ihm stumpf,
neun Jahre des Wartens in der Notunterkunft.
Das Zimmer teilt er mit kriegskrankem Mann,
der weint im Schlaf, was er nicht mehr kann.


Sozialstaatsgeld ihn nährt und kleidet,
derweil seine Mutter in der Heimat Not leidet.
Schickt die Hälfte von dem, was er hat –
so werden sie und Geschwister dort satt.


Sein Vater starb, er will’s nie vergessen,
am Hindukusch einst, für deutsche Int´ressen.
„Das sind Terroristen“, sprach die Bundeswehr,
stieß die Familie ins Tränenmeer.


Nun lebt er in Deutschland, erstgeboren,
von Onkeln als Ernährer auserkoren.
Findet nicht Arbeit noch Bleiben,
kann nicht lesen oder schreiben.


Der Weg zurück ist abgeschnitten,
so wollen es die alten Sitten.
Ihm bleibt die Hoffnung nur auf Licht –
er ist dein Bruder, vergiss das nicht.


Carsten Schubert 2025

© Carsten Schubert 2025